Turbulente Zeiten für die Klimapolitik

Unternehmensziele aus Sektorzielen / Stabilität durch Investoren
Nach dem vielumjubelten Klimagipfel in Paris (COP 21) im vergangenen Jahr fand im November 2016 im marokkanischen Marrakesch das darauf folgende COP 22 statt. Wenige Tage zuvor war das Pariser Abkommen nach einem erfolgreichen Ratifizierungsprozess in Kraft getreten. Ein großer Erfolg für die globale Klimapolitik.
TEXT: Kai Praum

Um den Pariser Klimavertrag zu ratifizieren wurde dazu eine Mindestanzahl von 55 Staaten, die für mindestens 55 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, benötigt. Dies war Anfang Oktober erreicht.

Nach Berechnungen von Klimaforschern müssen die CO2-Emissionen, die nach 2011 entstehen, auf ein globales Emissionsbudget von maximal 1.000 Milliarden Tonnen begrenzt werden, um mit der Wahrscheinlichkeit von 66 Prozent den Temperaturanstieg auf der Erde auf plus 2 Grad zu beschränken. Dieses Ziel wird unter den aktuellen Bedingungen und trotz der bereits gegebenen Zusagen der Staaten schwer zu erreichen sein. Aktuell liegen die weltweiten Emissionen jährlich bei 56 Milliarden Tonnen,und nach Hochrechnungen auf Basis der staatlichen Zusagen verbraucht die Weltgemeinschaft bis 2030 bereits 739 Milliarden Tonnen. Experten sehen daher bereits vor 2030 einen zusätzlichen Reduktionsbedarf.

Neue Regeln der Klimapolitik

Die Staatengemeinschaft beschloss in Marokko, bis spätestens 2018 neue Regeln für den globalen Klimaschutz aufzustellen. Die Regeln sollen festlegen, wie künftig die Klimapläne der einzelnen Staaten überwacht und verglichen werden. In dieser Zeit soll zudem geklärt werden, wie weit die bisherigen Klimaschutzvorhaben von dem entfernt sind, was für eine rasche Bremsung der Erderwärmung nötig wäre. Bei der Klimakonferenz von Paris hatten sich die Staaten vor einem Jahr darauf verständigt, künftig nationale Klimaschutzpläne ins Zentrum ihrer Anstrengungen zustellen

Deutlich mehr als eine Randnotiz war daher die Wahl Donald Trumps während des UN-Gipfels. Der designierte Präsident der USA - die weltweit der zweitgrößte CO2-Emittent nach China sind -hatte im Wahlkampf versprochen, aus dem Klimaabkommen auszusteigen. In einem Interview mit dem "New Yorker" äußerte Trump sich nun erstmals zurückhaltender und kündigte eine genaue Prüfung des Vertrags an. Er räumte auch ein, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und menschlichem Einfluss geben könnte. Dennoch sieht Trump vor allem in der Deregulierung der Kohleindustrie die Möglichkeit, Arbeitsplätze in klassischen Industrieregionen zu schaffen.

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Um bei Klimaschutz und Energiewende ambitioniert vorangehen zu können, benötigen Unternehmen Planbarkeit.
Erklärung zum Entwurf desKlimaschutzplans 2050

Trump handelt damit gegen den Trend in der Finanzwirtschaft. Immer mehr Investoren verabschieden sich aus Investitionen in fossile Energieträger. Der Versicherungskonzern Allianz setzte bereits vor der Pariser Klimakonferenz das Signal, nicht mehr in Unternehmen zu investieren, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes beziehungsweise ihrer Energieerzeugung aus Kohle generieren. In diesem Sommer folgte die Commerzbank mit einer neuen Kohlerichtlinie, die im Wesentlichen keine neue Finanzierung von Elementen der Prozesskette von der Kohlegewinnung bis hin zur Kohleverstromung in Kraftwerken umfasst.Die Bank zählt außerdem mit weiteren 41 Unternehmen zu den Unterzeichnern einer "Erklärung zum Entwurf des Klimaschutzplans 2050", der einen Klimaschutzplan als Orientierungsrahmen für Unternehmen mit klaren Sektorzielen fordert. Während aus der Automobilbranche keine Unternehmen unter den Unterstützern zu finden sind, haben sich aus der Energiebranche beispielsweise EnBW und Entega der Erklärung angeschlossen.

Vergleich zur Emission von 1990 erreicht sein. Vorangegangen war ein monatelanger Streit um die CO2-Reduzierung im Energiesektor zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium. Hendricks präsentierte der Weltgemeinschaft Sektorziele, die einen Pfad zur anteiligen Verringerung der Treibhausgasemissionen bis zum Jahre 2030 beschreiben. Als Sektoren ausgewiesen wurden dabei die Energiewirtschaft, Gebäude, Verkehr, Industrie und Landwirtschaft.

Die Initiative Klimareporting.de, eine Austauschplattform zu unternehmerischen Klimastrategien, hat sich unter dem Stichwort "Science Based Targets" zur Aufgabe gemacht, unternehmerische Klimaziele zu definieren, die im Einklang mit der Klimawissenschaft stehen. Diese unterliegen dabei der Logik des berechneten globalen Emissionsbudgets und der Sektoreinteilung, wie sie der deutsche Klimaschutzplan vorsieht. Dabei wird ein unternehmensspezifischer CO2-Intensitätspfad vom jeweiligen Pfad des Sektors abgeleitet.